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Das grosse Heft

Schauspiel nach der Romantrilogie von Ágota Kristóf

Schauspiel nach der Romantrilogie «Das grosse Heft», «Der Beweis» und «Die dritte Lüge» von Ágota Kristóf. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer und Erika Tophoven. Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Die neunjährigen Zwillinge Lucas und Claus werden während des Kriegs zu der ihnen fremden Grossmutter geschickt. Geborgenheit und Mitgefühl suchen sie hier, wo jeder für sich allein kämpft, vergeblich. Mit eiserner Disziplin kasteien sie sich mit Übungen zur Abhärtung von Körper und Geist und driften dabei zunehmend in ihr eigenes, kompromissloses Wertesystem ab. Ihre Erkenntnisse dokumentieren sie sachlich und unsentimental in einem Heft, bis dem einen eines Tages die Flucht über die nahe Grenze gelingt – eine unerwartete Wendung im bis anhin symbiotischen Leben der Zwillinge. Ágota Kristóf, die selbst als junge Frau von Ungarn in die Schweiz emigrierte und dort mit «Das grosse Heft» in französischer Sprache ihren Debütroman veröffentlichte, entwirft in unvergleichlich schlichter, aber umso eindringlicherer Sprache ein Panorama menschlicher Abgründe. Nach Jeremias Gotthelfs «Die schwarze Spinne» begibt sich Regisseur Tilmann Köhler diesmal auf die Spuren einer sich im Dickicht von Lüge und Wahrheit langsam auflösenden Identität.

Tilmann Köhler, der ein ausgewiesener Experte für Prosaadaptionen ist, inszeniert nach «Die schwarze Spinne» von Jeremias Gotthelf zum zweiten Mal am Theater Basel, diesmal einen Stoff, der ihn schon lange begleitet: «Er fasziniert mich durch den formalen Schritt der Autorin, Gefühle aus der Sprache zu verbannen und uns so zur Beobachtung zu zwingen. Dadurch wird man aufgerufen, Leerstellen potenziert persönlich aufzufüllen. Mit der unbewusst abgespeicherten Bilderflut ausgeblendeter Konflikte, mit der immer wieder gegenwärtigen und doch so gerne begrabenen Geschichte dieses Kontinents und mit den Kindheitsbildern und blinden Flecken der eigenen Biografie. Ein Holzschnitt, schwarz-weiss.»
 


Mehr über das Leben der Autorin Ágota Kristóf erfahren Sie im Monolog «Die Analphabetin».

Preisstufe 4 (von 30.– bis 60.–)

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