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Radiorequiem / Wunschkonzert

«Radiorequiem» Eine Installation von Thom Luz (Uraufführung) /«Wunschkonzert» (Premiere) Schauspiel von Franz Xaver Kroetz

Das Radiostudio im Bruderholz wird Ende 2019 abgerissen. Seit siebzig Jahren wurde von diesem Standort aus gesendet und Radiogeschichte geschrieben. Dreimal wurde das Gebäude umgebaut und erweitert, nun ist das Ende nah. Der geschichtsträchtige Bau muss zwei Wohnblöcken weichen, die Radioproduktion verlagert sich in einen Neubau in Zentrumsnähe. Vor dem Abriss steht das Gebäude leer.

Es ist eine unter experimentellen Physikern bekannte Halbwahrheit, dass Schallwellen in einem geschlossenen Raum ewig hin- und herschwingen, dabei zwar immer schwächer werden, aber nie richtig verschwinden. Einmal ausgesprochen, schlagen die Worte als unendlich klein werdende Schallamplituden ewig von Wand zu Wand. Das heisst, dass alles, was in diesem Gebäude einmal gesagt, gesungen und gesendet wurde, noch da ist und mit den entsprechenden Massnahmen wieder hörbar gemacht werden kann. Unter Geisterjägern und Parapsychologen erzählt man sich gerne, dass Gespenster nur deshalb durch Wände und Lüfte gehen können, weil sie von Umbauten, die nach ihrem Tod stattgefunden haben, naturgemäss ja nichts mitbekommen haben können und deswegen unbeschwert weiterhin die Wege beschreiten, die sie zu Lebzeiten schon immer beschritten haben, ungeachtet, ob dort heutzutage Wände sind, wo Türen waren, und Abgründe, wo Treppenhäuser standen.

Hausregisseur Thom Luz ist ein Spezialist für alles, was verschwinden kann und trotzdem noch da ist. Mit seiner Hannoveraner Treppenhausbespielung «Atlas der abgelegenen Inseln» und der Mainzer Hinterbühnen-Verwandlung «Traurige Zauberer» war er zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Er wird dem Radiogebäude und seinen Gespenstern einen Requiemspaziergang auf den Leib schneidern, voller vergessener Lieder, veralteter Nachrichtensendungen und überflüssig gewordenem Radiopersonal, das mit der Arbeit an einem letzten Hörspiel beschäftigt ist. Dabei entsteht auch die Tonspur zum Theaterstück «Wunschkonzert», das am Theater Basel zu sehen sein wird. Auf der Kleinen Bühne bearbeitet Thom Luz das «Wunschkonzert» von Franz Xaver Kroetz. Hier sitzt Fräulein Rasch zuhause in ihrer Mietwohnung und bereitet ihren Selbstmord vor. Dazu hört sie Radio. Was zuvor – oder danach, je nachdem, in welcher Reihenfolge Sie die Inszenierungen besuchen – in «Radiorequiem» aufgenommen und in den Äther gesendet wurde, klingt nun bei «Wunschkonzert» aus Fräulein Raschs Küchenradio – und Fräulein Raschs telefonischer Musikwunsch wird im Radiostudio entgegengenommen und vom studioeigenen Kleinstorchester umgesetzt. Die beiden Inszenierungen verweben sich ineinander und öffnen unerwartete Einblicke ins Räderwerk des Universums. Ein Spiel mit den Grenzen der Zeit- und Raumwahrnehmung und den Regeln des Geschichtenerzählens. Besuchen Sie eine oder beide Seiten der Geschichte solange Sie können, die Bagger stehen bereit.


In Kooperation mit SRF (Schweizer Radio und Fernsehen)

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